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Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

16. Februar 2026 / Anwalt Insolvenzrecht

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist die einfachste und zugleich vielseitigste Personengesellschaft des deutschen Zivilrechts. Sie bildet das Fundament für unzählige Kooperationen – von der privaten Fahrgemeinschaft über die freiberufliche Arbeitsgemeinschaft bis hin zum vermögensverwaltenden Immobilienzusammenschluss.

Rechtlich ist sie in den §§ 705–740 BGB geregelt. Sie ist keine juristische Person, wird jedoch seit der grundlegenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshof (BGHZ 146, 341 – „Außengesellschaft“) als rechtsfähig anerkannt, soweit sie am Rechtsverkehr teilnimmt. Mit der Reform durch das MoPeG (Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts) zum 01.01.2024 wurde ihre Rechtsstellung zusätzlich systematisch neu geordnet.

Dieser umfassende Leitfaden erläutert:

  • Begriff und Rechtsnatur der GbR
  • Abgrenzung zu OHG, KG, PartG und GmbH
  • Gründung und Gesellschaftsvertrag
  • Rechte und Pflichten der Gesellschafter
  • Geschäftsführung und Vertretung
  • Haftungssystematik
  • Vermögensordnung (Gesamthandsvermögen)
  • Gewinn- und Verlustverteilung
  • Gesellschafterwechsel und Ausscheiden
  • Beendigung und Liquidation
  • Insolvenz der GbR
  • Steuerliche Behandlung
  • Reform 2024 (MoPeG)
  • Praxisbeispiele und typische Gestaltungsfehler

1. Begriff und Einordnung der GbR

1.1 Gesetzliche Definition

Nach § 705 BGB verpflichten sich die Gesellschafter durch Gesellschaftsvertrag, die Erreichung eines gemeinsamen Zwecks in der im Vertrag bestimmten Weise zu fördern.

Kernelemente sind also:

  • Mindestens zwei Personen
  • Gemeinsamer Zweck
  • Vertragliche Bindung
  • Förderpflicht

Der Zweck darf nicht auf den Betrieb eines Handelsgewerbes gerichtet sein. Andernfalls entsteht eine offene Handelsgesellschaft (OHG).

2. Rechtsnatur der GbR

2.1 Keine juristische Person – aber rechtsfähig

Die GbR ist keine juristische Person. Dennoch wird sie als sogenannte rechtsfähige Außengesellschaft anerkannt, wenn sie:

  • am Rechtsverkehr teilnimmt
  • eigene Rechte und Pflichten begründet

Sie kann daher:

  • Verträge abschließen
  • Eigentum erwerben
  • im Grundbuch eingetragen werden (§ 899a BGB)
  • klagen und verklagt werden
  • Insolvenzverfahren durchlaufen

3. Innen- und Außengesellschaft

3.1 Innengesellschaft

  • Tritt nicht nach außen auf
  • Nur interne Zweckverfolgung
  • Keine eigene Rechtsfähigkeit

Beispiel: Stille Beteiligung, interne Projektgemeinschaft.

3.2 Außengesellschaft

  • Nimmt aktiv am Rechtsverkehr teil
  • Vertragspartner wird die GbR selbst
  • Rechtsfähig

4. Abgrenzung zu anderen Gesellschaftsformen

Merkmal GbR OHG KG GmbH
Rechtsgrundlage BGB HGB HGB GmbHG
Handelsgewerbe Nein Ja Ja Ja
Haftung Persönlich & unbeschränkt Persönlich & unbeschränkt Komplementär unbeschränkt Beschränkt
Registerpflicht Optional (eGbR seit 2024) Pflicht Pflicht Pflicht
Mindestkapital Nein Nein Nein 25.000 €

5. Gründung der GbR

5.1 Formfreiheit

Die GbR kann formlos gegründet werden:

  • Schriftlich
  • Mündlich
  • Konkludent (durch tatsächliches Zusammenwirken)

5.2 Gesellschaftsvertrag

Zwingende Inhalte:

  • Zweck
  • Gesellschafter
  • Beiträge

Empfohlene Regelungen:

  • Gewinnverteilung
  • Geschäftsführung
  • Kündigungsregelungen
  • Abfindungsklauseln
  • Wettbewerbsverbot

6. Vermögensordnung: Gesamthandsvermögen

Das Gesellschaftsvermögen steht den Gesellschaftern zur gesamten Hand zu.

Das bedeutet:

  • Kein einzelner Gesellschafter kann über „seinen Anteil“ verfügen
  • Keine Teilungsverfügung möglich
  • Verfügungen nur gemeinschaftlich

Diese Struktur unterscheidet die GbR vom Bruchteilseigentum.

7. Rechte und Pflichten der Gesellschafter

7.1 Beitragspflicht

Gesellschafter müssen leisten, was vereinbart ist:

  • Geld
  • Sachen
  • Dienstleistungen
  • Know-how

7.2 Treuepflicht

Wechselseitige Loyalitätspflicht:

  • Wettbewerbsverbot
  • Informationspflicht
  • Rücksichtnahme

8. Geschäftsführung

Grundsatz: Gesamtgeschäftsführung

Alle Gesellschafter sind gemeinsam zur Geschäftsführung befugt.

Abweichende Regelungen sind zulässig:

  • Einzelgeschäftsführung
  • Mehrheitsprinzip
  • Geschäftsführender Gesellschafter

9. Vertretung der GbR

Seit der BGH-Rechtsprechung ist klar:

  • Die GbR wird durch ihre Gesellschafter vertreten
  • Grundsätzlich gemeinschaftlich
  • Abweichende Regelung möglich

10. Haftungssystem

10.1 Außenhaftung

Gesellschafter haften:

  • Persönlich
  • Unbeschränkt
  • Gesamtschuldnerisch

Die Haftung entspricht weitgehend der OHG-Haftung.

10.2 Innenausgleich

Ein Gesellschafter kann Regress bei den Mitgesellschaftern nehmen.

11. Gewinn- und Verlustverteilung

Mangels anderer Abrede:

Verteilung nach Köpfen

Abweichungen sind üblich, etwa:

  • Nach Kapitalanteil
  • Nach Arbeitsleistung
  • Mischmodelle

12. Gesellschafterwechsel

Grundsatz:

  • Zustimmung aller erforderlich
  • Abtretung des Gesellschaftsanteils nur eingeschränkt möglich

13. Kündigung und Ausscheiden

13.1 Ordentliche Kündigung

Bei unbefristeter GbR jederzeit möglich.

13.2 Außerordentliche Kündigung

Bei wichtigem Grund.

13.3 Tod oder Insolvenz

Grundsätzlich Auflösung – es sei denn, der Vertrag sieht Fortsetzung vor.

14. Auflösung und Liquidation

Auflösungsgründe:

  • Zweckerreichung
  • Zeitablauf
  • Beschluss
  • Kündigung
  • Insolvenz

Nach Auflösung erfolgt die Auseinandersetzung:

  1. Schulden tilgen
  2. Einlagen zurückgewähren
  3. Rest verteilen

15. Insolvenz der GbR

Die GbR ist nach § 11 InsO insolvenzfähig („Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit“).

Eröffnungsvoraussetzungen:

  • Zahlungsunfähigkeit
  • Überschuldung

Gesellschafter haften weiter persönlich.

16. Steuerliche Behandlung

Die GbR ist:

  • Einkommenssteuerlich transparent
  • Keine eigene Körperschaftsteuer

Gewinne werden den Gesellschaftern zugerechnet.

Gewerbesteuerpflicht nur bei gewerblicher Tätigkeit.

17. Die Reform 2024 (MoPeG)

Wesentliche Neuerungen:

  • Einführung des Gesellschaftsregisters
  • Möglichkeit der Eintragung als „eGbR“
  • Klarstellung der Rechtsfähigkeit
  • Modernisierung des Vermögensbegriffs
  • Flexibilisierung der Beschlussfassung

18. Typische Praxisbeispiele

  • Immobilien-GbR
  • Praxisgemeinschaft von Ärzten
  • Projektgesellschaft
  • Familienvermögensverwaltung

19. Typische Fehlerquellen

  • Kein schriftlicher Vertrag
  • Keine Regelung zur Abfindung
  • Unklare Geschäftsführung
  • Fehlende Wettbewerbsregelung

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist:

  • Die flexibelste Personengesellschaft
  • Schnell und kostengünstig gründbar
  • Für kleine Kooperationen ideal

Aber:

  • Mit voller persönlicher Haftung verbunden
  • Vertragliche Gestaltung essenziell

Gerade im Bereich Insolvenz- und Haftungsrecht entstehen erhebliche Risiken, wenn die Struktur nicht professionell ausgearbeitet wird.

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FAQs zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Was ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)?

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist eine Personengesellschaft nach §§ 705 ff. BGB, bei der sich mindestens zwei Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks zusammenschließen. Der Zweck darf nicht auf den Betrieb eines Handelsgewerbes gerichtet sein. Die GbR ist die einfachste Form einer Gesellschaft in Deutschland.

Ist eine GbR eine juristische Person?

Nein, die GbR ist keine juristische Person. Sie ist jedoch als sogenannte rechtsfähige Außengesellschaft anerkannt, wenn sie am Rechtsverkehr teilnimmt. Das wurde durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshof bestätigt.

Ist die GbR rechtsfähig?

Ja. Eine nach außen auftretende GbR ist rechtsfähig. Sie kann Verträge schließen, Eigentum erwerben, klagen und verklagt werden.

Kann eine GbR ins Grundbuch eingetragen werden?

Ja. Seit der Anerkennung der Rechtsfähigkeit kann eine GbR als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen werden. Grundlage ist § 899a BGB. Seit 2024 ist zusätzlich die Eintragung in das Gesellschaftsregister möglich (eGbR).

Was bedeutet eGbR?

Die eGbR ist die eingetragene Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Seit dem 01.01.2024 kann eine GbR freiwillig in das Gesellschaftsregister eingetragen werden. Dies erhöht Transparenz und Rechtssicherheit, insbesondere bei Immobiliengeschäften.

Wer haftet bei einer GbR?

Alle Gesellschafter haften persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch für die Verbindlichkeiten der GbR. Gläubiger können auf das Gesellschaftsvermögen und das Privatvermögen der Gesellschafter zugreifen.

Kann die Haftung bei einer GbR beschränkt werden?

Eine Haftungsbeschränkung gegenüber Dritten ist grundsätzlich nicht möglich. Interne Haftungsregelungen wirken nur zwischen den Gesellschaftern.

Wie viele Personen braucht man für eine GbR?

Mindestens zwei Personen. Eine Ein-Personen-GbR ist rechtlich nicht möglich.

Muss eine GbR schriftlich gegründet werden?

Nein. Die Gründung ist formfrei möglich – auch mündlich oder durch schlüssiges Verhalten. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag wird jedoch dringend empfohlen.

Braucht eine GbR ein Stammkapital?

Nein. Es gibt kein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital.

Darf eine GbR gewerblich tätig sein?

Ja, solange kein Handelsgewerbe im Sinne des HGB betrieben wird. Überschreitet die Tätigkeit die Schwelle zum Handelsgewerbe, entsteht kraft Gesetzes eine OHG.

Wann wird aus einer GbR eine OHG?

Wenn die Gesellschaft ein Handelsgewerbe betreibt, also ein nach Art und Umfang kaufmännisch eingerichtetes Unternehmen erfordert, wird sie automatisch zur OHG.

Wie wird der Gewinn bei einer GbR verteilt?

Mangels abweichender Vereinbarung erfolgt die Verteilung nach Köpfen, also zu gleichen Teilen.

Können Gesellschafter ihre Anteile verkaufen?

Grundsätzlich nur mit Zustimmung aller Mitgesellschafter. Ansprüche aus dem Gesellschaftsverhältnis sind regelmäßig nicht frei übertragbar.

Was passiert bei Tod eines Gesellschafters?

Ohne abweichende Regelung im Gesellschaftsvertrag führt der Tod zur Auflösung der GbR. Häufig enthalten Verträge jedoch Fortsetzungsklauseln.

Kann man eine GbR kündigen?

Ja. Bei unbefristeter GbR ist die ordentliche Kündigung jederzeit möglich. Bei befristeter Gesellschaft nur aus wichtigem Grund.

Ist eine GbR insolvenzfähig?

Ja. Die GbR ist nach § 11 InsO insolvenzfähig. Auch die Gesellschafter können zusätzlich persönlich insolvent werden.

Wie wird eine GbR steuerlich behandelt?

Die GbR ist steuerlich transparent. Gewinne werden den Gesellschaftern zugerechnet und von diesen versteuert. Bei gewerblicher Tätigkeit fällt Gewerbesteuer an.

Benötigt eine GbR eine Gewerbeanmeldung?

Nur wenn sie gewerblich tätig ist. Bei freiberuflicher oder rein vermögensverwaltender Tätigkeit ist keine Gewerbeanmeldung erforderlich.

Kann eine GbR Mitarbeiter beschäftigen?

Ja. Die GbR kann Arbeitgeberin sein.

Hat eine GbR eine Firma?

Nein. Sie führt keine Firma im handelsrechtlichen Sinn, sondern tritt unter den Namen der Gesellschafter oder einer Geschäftsbezeichnung auf.

Kann eine GbR klagen und verklagt werden?

Ja. Die rechtsfähige Außengesellschaft ist parteifähig.

Kann eine GbR Immobilien erwerben?

Ja. Sie kann als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen werden.

Ist eine Immobilien-GbR sinnvoll?

Sie wird häufig zur gemeinsamen Immobilienverwaltung genutzt. Allerdings bestehen erhebliche Haftungsrisiken, da alle Gesellschafter persönlich haften.

Welche Vorteile hat eine GbR?

  • Einfache Gründung
  • Keine Registerpflicht (außer freiwillige eGbR)
  • Kein Mindestkapital
  • Flexible Vertragsgestaltung

Welche Nachteile hat eine GbR?

  • Unbeschränkte persönliche Haftung
  • Hohe Haftungsrisiken bei Insolvenz
  • Einstimmigkeitsprinzip kann Entscheidungsprozesse blockieren

Wann sollte man statt einer GbR eine GmbH wählen?

Wenn Haftungsbegrenzung erforderlich ist oder größere Investitionen geplant sind.

Was ist der Unterschied zwischen Innen- und Außengesellschaft?

Die Innengesellschaft tritt nicht nach außen auf. Die Außengesellschaft nimmt am Rechtsverkehr teil und ist rechtsfähig.

Kann eine GbR Gesellschafter einer GmbH sein?

Ja. Die GbR kann Gründerin und Gesellschafterin juristischer Personen sein.

Muss eine GbR Bücher führen?

Nur wenn sie gewerblich tätig ist und die handelsrechtlichen Schwellenwerte überschreitet.

Kann eine GbR umgewandelt werden?

Ja, etwa in eine OHG oder GmbH durch formwechselnde Umwandlung oder Neugründung.

Wie beendet man eine GbR?

Durch Zweckerreichung, Kündigung, Beschluss, Zeitablauf oder Insolvenz. Danach erfolgt die Liquidation und Auseinandersetzung des Vermögens.

Was ist das Gesamthandsvermögen?

Das Gesellschaftsvermögen steht allen Gesellschaftern gemeinsam zur gesamten Hand zu. Kein Gesellschafter kann allein über seinen Anteil verfügen.

Welche typischen Fehler gibt es bei einer GbR?

  • Kein schriftlicher Vertrag
  • Keine Regelung zur Abfindung
  • Unklare Haftungsverteilung
  • Fehlende Nachfolgeregelung
  • Keine Vorsorge für Insolvenz

Warum ist eine rechtliche Beratung bei einer GbR sinnvoll?

Weil die persönliche Haftung existenzgefährdend sein kann. Besonders bei Immobilien, größeren Projekten oder wirtschaftlichen Krisen sollten Haftungsrisiken frühzeitig geprüft werden.

Wenn Sie eine GbR gründen, umstrukturieren oder im Krisenfall absichern möchten, empfiehlt sich eine frühzeitige rechtliche Beratung zur Vermeidung persönlicher Haftungsrisiken.