Krisenplan zur Haftungsminimierung für Geschäftsführer
48-Stunden-Krisenplan zur Haftungsminimierung für Geschäftsführer
Dieser 48-Stunden-Krisenplan richtet sich an Geschäftsführer, Vorstände und faktische Geschäftsführer, die sich in einer akuten wirtschaftlichen Krise befinden oder bereits Insolvenzreife vermuten.
Ziel ist nicht die Rettung des Unternehmens um jeden Preis – sondern die konsequente Minimierung persönlicher Haftungs-, Straf- und Berufsrisiken.
Wichtig: Jede Stunde zählt. Fehler in den ersten 48 Stunden sind häufig irreversibel.
Phase 0 – Sofortige Einordnung (0–2 Stunden)
Ziel: Klarheit über die rechtliche Lage – keine Blindflüge mehr.
1. Insolvenzreife prüfen (ohne Diskussion)
Stellen Sie sich jetzt sofort diese drei Fragen:
- Können fällige Verbindlichkeiten innerhalb von max. 3 Wochen bezahlt werden?
- Übersteigen die Verbindlichkeiten dauerhaft das Vermögen?
- Ist die Fortführung ohne externe Mittel realistisch ausgeschlossen?
Ein einziges „Ja“ reicht, um von akuter Gefahr auszugehen.
2. Zahlungsstopp prüfen und vorbereiten
- Keine neuen Überweisungen, keine Sammelzahlungen
- Keine selektive Gläubigerbefriedigung
- Keine Rückstände ausgleichen, um „Ruhe zu haben“
Selektives Zahlen = persönliche Haftung + Strafbarkeitsrisiko
Phase 1 – Beweissicherung & Selbstschutz (2–12 Stunden)
Ziel: Spuren sichern – Verantwortung dokumentieren – Angriffsflächen schließen.
3. Unterlagen sichern (digital & physisch)
Sichern Sie unverzüglich:
- Kontoauszüge (mind. letzte 12 Monate)
- BWA, SuSa-Liste, Offene-Posten-Listen
- Geschäftsführerverträge, Gesellschafterbeschlüsse
- Darlehen (privat & Gesellschaft)
- Bürgschaften, Sicherheiten, Patronatserklärungen
Regel: Was nicht gesichert ist, existiert später nicht.
4. Entscheidungen schriftlich festhalten
- Jede Maßnahme protokollieren
- Gründe, Zeitpunkt, Informationslage dokumentieren
- Keine „mündlichen Schnellentscheidungen“
Dokumentation ist Ihr späterer Schutzschild.
Phase 2 – Haftungsbremsen ziehen (12–24 Stunden)
Ziel: Persönliche Haftung sofort einfrieren.
5. Zahlungen rechtlich bewerten
Ab sofort nur noch:
- Löhne nur, wenn insolvenzrechtlich vertretbar
- Steuern & Sozialabgaben nicht blind zahlen
- Keine Rückzahlungen an Gesellschafter
Falsch gezahlte Steuern können haftungsauslösend sein.
6. Keine neuen Verpflichtungen eingehen
- Keine neuen Verträge
- Keine neuen Ratenvereinbarungen
- Keine neuen Finanzierungen „auf Hoffnung“
Phase 3 – Kommunikation kontrollieren (24–36 Stunden)
Ziel: Keine Aussagen, die später gegen Sie verwendet werden.
7. Interne Kommunikation einfrieren
- Keine Rundmails
- Keine Schuldzuweisungen
- Keine Durchhalteparolen
8. Externe Kommunikation nur gesteuert
- Banken: keine Detailangaben
- Lieferanten: keine Zusagen
- Finanzamt: keine Erklärungen ohne Strategie
Alles Gesagte wird später bewertet – oft gegen Sie.
Phase 4 – Rechtliche Positionierung (36–48 Stunden)
Ziel: Aktive Kontrolle übernehmen – nicht getrieben werden.
9. Insolvenzantrag strategisch vorbereiten
- Nicht zu früh
- Nicht zu spät
- Form & Inhalt entscheiden über Haftung
Ob Regelverfahren, Eigenverwaltung oder Schutzschirm:
Die Wahl ist haftungsrelevant.
10. Persönliche Haftungsrisiken separat analysieren
- Geschäftsführerhaftung (§ 15b InsO)
- Steuerhaftung
- Sozialversicherungsbeiträge
- Insolvenzverschleppung
- Untreue / Bankrott
Unternehmen ≠ Privatperson. Trennen Sie beides sauber.
Häufige tödliche Fehler in den ersten 48 Stunden
- „Ich zahle schnell noch die wichtigsten Gläubiger“
- „Das regelt mein Steuerberater“
- „Ich warte erstmal ab“
- „Ich erkläre dem Finanzamt alles offen“
- „Ich mache das schon irgendwie selbst“
Merksatz für Geschäftsführer
In der Krise geht es nicht um Moral – sondern um Rechtssicherheit.
Wer die ersten 48 Stunden kontrolliert handelt, rettet oft sich selbst, auch wenn das Unternehmen fällt.
Nächster Schritt (dringend empfohlen)
Wenn Sie sich auch nur ansatzweise in diesem Szenario wiederfinden:
- Warten Sie nicht auf Post vom Gericht
- Handeln Sie jetzt, solange Sie noch Gestaltungsspielraum haben
- Lassen Sie Ihre persönliche Haftung zuerst prüfen, nicht die Bilanz

